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In der FAZ ist vor kurzem ein Artikel zur Wahl Trumps zum Präsidenten von Amerika erschienen. Tenor: Trump ist abzulehnen, weil er den Freihandel gefährdet.

Einmal angenommen, die Aussage stimmt – Trump wäre wirklich eine Bedrohung für den Freihandel. Schließlich hat er ja angekündigt, Strafzölle gegen China einzuführen und verschiedene Freihandelsabkommen zu revidieren bzw. die Verhandlungen zu angehenden Abkommen zu stoppen.

Für Trump versteht es sich von selbst, die Freihandelsabkommen Nafta mit Mexiko und Kanada neu zu verhandeln und TTP (Asien) und TTIP (Europa) gleich ganz im Reißwolf zu schreddern. „Freihandel ist als akademische Veranstaltung eine noble Sache“, pflegt Trump zu scherzen: „Aber unsere Regierung hat sich in einem Handelskrieg von China besiegen lassen.“

Freihandel = Arbeitsteilung ?

Also angenommen, diese Aussage stimmt – warum sollte man dann deswegen gegen Trump sein? Diese Frage beantwortet die FAZ, indem sie etwas über diesen Freihandel behauptet, nämlich dass dieser dazu diene die notwendige Arbeit zwischen den Völkern aufzuteilen und so die Welt optimal mit Gebrauchswerten zu versorgen. Den Rest des Beitrags lesen »

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Diese Fragen stellt sich Philipp Maier – Partner und Arbeitsrechtsexperte bei Baker & McKenzie – in einem Beitrag im derStandard.at.

Etwas durchzieht den Text im derStandard.at: Die gesellschaftlichen Widersprüche, die sich im Arbeitsrecht manifestieren, werden als Zufälligkeiten, als etwas das „halt so ist“ dargestellt. Welcher Widerspruch zwischen welchen Interessen ist von uns hier gemeint?

An der Lohnarbeit gibt es zwei Interessen: Für die Unternehmen – die arbeiten lassen – zählt vor allem eins: Ist die Arbeit rentabel? Wenn sie es ist, kann es davon nicht genug geben. Ist sie es nicht, soll sie nicht passieren und auch niemand dafür gezahlt werden. Aus der Sicht der Arbeitnehmer*innen, der Lohnabhängigen, stellt sich die Lage natürlich „etwas“ anders da.

Aus genau diesem Interesse der Unternehmen an Arbeit ergeben sich einige Konsequenzen. Diese Konsequenzen und Auswirkungen auf die Arbeitswelt von Arbeitenden verschweigt der Artikel auch gar nicht. Den Rest des Beitrags lesen »

Seit einiger Zeit Zeit sind wir in Österreich und Deutschland mit unserem Workshop „Kaufen gegen den Kapitalismus?!“ zur Kritik der Konsumkritik unterwegs. Neulich haben wir von Genossen eine Kritik daran erhalten, die wir für zutreffend halten und deren Inhalt wir hier darlegen möchten. Änderungen am Workshop und am Text folgen im Laufe der Zeit und werden gesondert angekündigt. Um die Kritik und ihre Folgen nachvollziehbar zu machen, werden wir den alten Text auf unserer Seite archivieren.

Wie wir den Fehler der Konsumkritiker unterstützten

Konsumkritiker betrachten die ganze Welt der Produktion und Verteilung von Gütern unter einem Gesichtspunkt: Wie kann ich den Konsum dazu einsetzen, diese Welt anders, also besser, zu gestalten? Von diesem falschen Standpunkt 1 ergeben sich verkehrte Konsequenzen:

  • Wir sehen das Profitstreben von Unternehmen als den Grund all der Übel, welche Konsumkritiker anprangern. Ihnen erscheint dieses Profitstreben jedoch als Möglichkeit mittels Kaufentscheidungen bzw. Boykotts steuernd in das Geschäft von Unternehmen eingreifen zu können. Anstatt also den Grund der ganzen Übel – das Profitstreben – abschaffen zu wollen, freuen sich Konsumkritiker über diesen Hebel, mit dem sie versuchen Unternehmen zu beeinflussen.
  • Der Lohn, den ein Lohnabhängiger vom Unternehmen erhält um täglich in die Arbeit zu kommen, wird von Konsumkritikern als Mittel für diese Eingriffe in das Verhalten von Unternehmen gesehen.
    Anstatt also den Lohn als schlechtes Mittel 2 zur Bedürfnisbefriedigung zu erkennen, wird dieser als Mittel zur Verbesserung der Welt gesehen.
  • Letzendlich wird der Konsum für Konsumkritiker zu etwas ganz anderem als das Benutzen von Dingen und Dienstleistungen. Sie sehen in ihm nur mehr ein Mittel dafür, die Welt positiv zu verändern. Dabei sollte doch der Konsum das Ergebnis einer sinnvollen – sprich an der Bedürfnisbefriedigung der Menschen ausgerichteten – Wirtschaft und nicht das Mittel zum Verhindern der allergröbsten Übel dieser Wirtschaftsform sein.

Der erste Teil unseres Workshops zeigte anhand der Produktion etwas auf: Der Lohn ist notwendigerweise gering und deswegen als Mittel der Konsumentenmacht recht schmächtig. Das stimmt auch, zeigt jedoch nicht auf, dass der Lohn gar nicht dafür da ist, als Mittel zur Gesellschaftsveränderung eingesetzt zu werden. In unserem alten Text zeigen wir nur auf, dass er dafür einfach nicht gut geeignet ist. Den Rest des Beitrags lesen »

In Frankreich brodelt es. Das sogenannte „El Khomri Gesetz“, benannt nach dem französischen Arbeitsminister, sieht unter anderem eine Verlängerung des Arbeitstags vor, Erleichterungen bei Kündigungen und Einschränkungen der Rechte von Gewerkschaften.1 Das erregt die Wut vieler Franzosen, welche sich aufgrund dessen jeden Tag zu großen Versammlungen auf öffentlichen Plätzen bis in die Nacht hinein treffen. Sie wurden ganze Nächte lang durchgehalten und deswegen „nuit debouts“2 genannt. Dies ist nun auch der Name für die Bewegung. Mittlerweile findet aber vieles mehr statt. So werden Raffinerien und Atomkraftwerke blockiert, Druckereien, Flughäfen und öffentlicher Nahverkehr bestreikt usw.. Die Bewegung wird in der deutschsprachigen Linken abgefeiert – verdientermaßen?

Politökonomie

Der politökonomische Inhalt des Gesetzes ist es, die Arbeit in Frankreich rentabler zu machen. Also dafür zu sorgen, dass für Unternehmen von jeder Arbeitsstunde die sie arbeiten lassen mehr Geld übrigbleibt. Wie wird dies durch das neue Gesetz erreicht?

Arbeitszeitverlängerung

Sehen wir uns zuerst die Arbeitszeitverlängerung an. Oberflächlich erscheint es nicht so, dass diese Verlängerung die Arbeit billiger, also rentabler macht. Vorallem da für die zusätzlichen Stunden sogar mehr bezahlt werden muss. Jedoch führen solche gesetzlichen Bestimmungen über die Hintertür doch zu einer Verbilligung der Arbeitskraft – und zwar durch die Konkurrenz der Lohnarbeiter.
So führt eine Arbeitszeitverlängerung dazu, dass die notwendige Arbeit der Gesellschaft von weniger Arbeitern geleistet wird – also mehr Arbeitslose um die offenen Stellen konkurrieren. Dies erhöht die Macht der Unternehmen weniger Lohn anzubieten und schwächt die Macht der einzelnen Arbeiter mehr Lohn zu verlangen. Daher sinkt der Lohn insgesamt. Da die Arbeitslosigkeit in Frankreich jedoch allgemein schon hoch ist wird dieser Effekt eher gering sein.
Der zweite Effekt betrifft die Rechnung der Arbeiter selber. Für sie muss der Lohn den sie erhalten ungefähr zum Überleben reichen, ansonsten könnten sie nicht lange arbeiten. Der Lohn den sie erhalten, kommt zustande durch die Anzahl der Stunden die sie arbeiten, multipliziert mit dem Stundenlohn. Vergrößert sich nun die Anzahl der Stunden, so kann der Stundenlohn sinken ohne dass die Arbeiter dadurch zugrunde gehen3. Das heißt, Arbeiter können Arbeitsangebote mit niedrigerem Arbeitslohn annehmen. Die Unternehmen nutzen das indem sie den Arbeitern immer schlechtere Angebote machen, die diese durch die Konkurrenz mit den anderen Arbeitern annehmen müssen, wenn sie einen Arbeitsplatz haben wollen, und drücken damit das Lohnniveau.
Ein niedrigerer Lohn bedeutet nun aber, dass die Arbeiter verstärkt ausgebeutet werden. Sie arbeiten einen kleineren Teil des Tages daran, für ihre Reproduktion und einen größeren Teil des Tages für ihr Unternehmen. Dadurch wird die Arbeit rentabler.

Kündigungsschutz

Wie sieht es mit den Lockerungen des Kündigungsschutzes aus? Zuerst einmal wirkt sich dieser so aus, dass Unternehmen Arbeiter die nicht mehr rentabel sind, einfacher kündigen können: Also unrentable Arbeitstellen besser abbauen können. Das bewirkt wiederum auch mehr Arbeitslose, da nun Arbeiter gefeuert werden können die man zwar als unrentabel einschätzt, aber nicht so sehr dass sich der Aufwand für die Küngigung gelohnt hätte. Durch verstärkte Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt bedeutet das wiederum niedrigere Löhne, also höhere Rentabilität.
Dieser Effekt ist nur einer von zwei Möglichen: Es könnte auch sein, dass Unternehmen eher dazu bereit sind Arbeiter einzustellen, bei denen sie sich nicht so sicher sind ob sie sie wirklich brauchen können, einfach weil sie sie einfacher feuern können falls die Arbeiter dann doch nicht gebraucht werden. Welcher dieser beiden Effekte dann überwiegt, ist schwer vorauszusehen.
Weil die Möglichkeit der Kündigung nun verstärkt im Raum steht (es ist ja nun einfacher), erhöht sich der Druck auf die Arbeiter. Sie werden darauf festgelegt in einer Art und Weise und so intensiv zu arbeiten, dass am Ende der vom Unternehmen gewünschte Effekt rauskommt: Nämlich möglichst viel Profit. Neben dieser Drohung kann der lockerere Kündigungsschutz natürlich auch gleich verwendet werden, um unproduktive Arbeiter einfach mit billigeren/hörigeren zu ersetzen. Dies senkt direkt die Löhne. Den Rest des Beitrags lesen »

In der Zeit ist vor kurzem ein Artikel zu den anhaltenden Protesten in Frankreich erschienen. Die Proteste richten sich gegen Pläne des Staates den Kündigungsschutz aufzuweichen. Der Artikel ist so blöd dass er Kommentar verdient.

Zuerst stellt der Autor fest was Tatsache ist: In Deutschland wird im festen gesetzlichen Rahmen nur dann gestreikt wenn alle anderen Mittel der Sozialpartnerschaft erschöpft sind, und nur um der Höhe nach miese Lohnerhöhungen. In Frankreich dann wenn der Schuh drückt, sei es nun ein Gesetz oder irgendetwas, und in der Regel so lange und wild bis der Stein des Anstoßes aus dem Weg ist.

Das legt der Autor um auf die wirtschaftliche Lage beider Länder:

Seit vielen Jahren geht das nun schon so und zwar offensichtlich zum Vorteil Deutschlands.

Das könnte der Anfang sein sich zu überlegen in was für einer Gesellschaft man eigentlich lebt, in der es für die Lage von Ländern vom Nachteil ist wenn der Großteil der Bevölkerung seine Interessen vertritt und auch gegen Widerstand durchsetzt. Tatsächlich ist es ja so, dass Staaten mit ihren Wirtschaften untereinander in Konkurrenz stehen, und es diesen besser geht je mehr Gewinn sie machen, je weniger Lohn also die Arbeiter erhalten welcher immer Abtrag vom Gewinn ist. Für den Autor ist das jedoch ein guter Grund, das protestieren sein zu lassen.

Nun macht endlich Kompromisse und Reformen, dann wird’s schon!

Weil der Autor sich dann auch gar keinen materiellen Grund, keine Unzufriedenheit mehr vorstellen kann welche dazu führt dass man sich gegen staatliche Handlungen auflehnt, schließlich gehts allen gut sobalds der Wirtschaft gutgeht, und der gehts gut wenn die Lohnabhängigen ständig Kompromisse machen, verfällt er als Erklärung auf die Geschichte:

Um diese Protesthaltung zu verstehen, müssen die Deutschen tief in die französische
Geschichte blicken.

Als wären kommunistische Gewerkschafter im und nach dem Zweiten Weltkrieg der Grund dafur dass heutzutage Leute sich über Arbeitsmarktreformen zu ihrem Schaden aufregen. Wäre es wirklich so dass Franzosen aus holder Erinnerung an die französische Revolution und die Resistance Aufstand machen würden, bräuchten sie den Anlass nicht – dann gäbs halt Dauerstreik, warum auch immer. Den Rest des Beitrags lesen »

In der aktuellen Konkret steht ein Kurzbericht darüber, dass fast keine Faschisten verurteilt werde, die politisch motivierte Kriminalität verüben. Die These des Autors: Das geschah deswegen, weil die BRD die Nazirichter in ihren Ämtern übernommen hat, die dann die Nachfolgegeneration politisch beeinflusst hat usw. Und Nazis verurteilen nun mal keine Nazis.

Wäre es wirklich so, dass die Rechtssprüche dieser Richter in ihrer (überlieferten) Nazivergangenheit begraben liegen, stellt sich schon die Frage warum der Staat nichts dagegen macht dass hier offenbar eine seiner Abteilungen gar nicht sein Recht, sondern das seines Rechtsvorfahren durchsetzt.

Tatsächlich gibt es einen Grund in der Räson dieses Staates, rechte Straftäter nicht so intensiv zu verfolgen wie linke: In ihnen erkennt er welche, die zwar seine Herrschaft ablehnen, aber prinzipiell nach einer anderen, stärkeren staatlichen Herrschaft schreien. Linke Straftäter lehnen dagegen Herrschaft generell ab, stellen also nicht nur seine konkrete Herrschaft, sondern auch das Prinzip in Frage von welchem sie ein Ausdruck ist.

Indem konkret diesen Grund nicht kennt, und nur immerzu die Nazivergangenheit als Grund angeben kann, wäscht sie die Bundesrepublik rein – ginge es nach ihren Prinzipien könnte sowas schließlich nicht geschehen. Im Grunde also konstruktive Verbesserungsvorschläge an diese Herrschaft, die sich furchtbar kritisch vorkommen.

Das ist bei konkret kein Einzelfall: Diese Art der Kritik ist die durchgesetzte Blattlinie.
Wer mehr darüber lesen will: Replik auf Gremliza

Ihr habt sicher schon häufig Argumente der Art…

  • “Das ist ja nur deine Meinung“
  • „Wenn man das von einer anderen Perspektive betrachtet, kann man das auch anders sehen“
  • „Wie kannst du sagen das das wahr ist, wenn doch der Erkenntnisprozess an sich fehlerhaft ist“ gehört.

Von dieser Einstellung ist auch das folgende Bild geprägt, welches uns zum Verfassen dieses kurzen Textes gebracht hat:

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Diese obigen Argumente und Aussagen kommen vielen Leuten vertraut vor. Man lernt ja schon in der Schule, z.B. im Psychologie- oder Philosophieunterricht, dass die menschliche Erkenntnis fehlerhaft ist, die Umwelt nicht objektiv begriffen werden kann. Hier eröffnet sich jedoch ein Problem.

Denn wenn das so ist, dann gibt es keinen Grund mehr miteinander über eine Sache zu diskutieren. Da ja von vornherein angenommen werden muss, dass man aufgrund der Fehlerhaftigkeit der menschlichen Erkenntnis, nichts wirkliches über diese Sache wissen kann.
Diese Art der Argumentation unterbindet also jegliche Diskussion, wenn sie konsequent durchgeführt wird.

Man mag nun entgegnen, dass das schon so sein mag, aber das ändert doch nichts daran dass die Argumentation richtig ist. Wenn man nichts erkennen kann dann diskutiert man halt nicht, und spielt lieber was. Das dieses Argument in sich widersprüchlich ist, wird dabei meistens nicht gesehen.

Ein weiteres Beispiel für die Position, die wir in diesem Text kritisieren wollen

Ein weiteres Beispiel für die Position, die wir in diesem Text kritisieren wollen

Denn wie soll der Mensch, dessen Erkenntnisvermögen ja fehlerhaft ist, überhaupt zu dieser Erkenntnis gelangen und sie als Wahrheit postulieren, wenn richtige Erkenntnis gar nicht möglich ist? Damit endet diese Argumentation in einem Widerspruch, einem Paradoxon. Man kann zwar nichts richtiges erkennen, das hat man aber garantiert richtig erkannt.

Anstatt andauernd an der eigenen Erkenntnis zu Zweifeln und damit in einen Widerspruch zu geraten, sollte man das tun, was man von Anfang an vorhatte: Erkennen und überprüfen.

Ein Bild das dazu auffordert einen Tisch zu bauen und keinen Zaun, wenn man zuviel hat.

In diesem Text wird mit der Sternchennotation gegendert. Hier findet Ihr Informationen zu unserem Umgang mit Gendern und Sprache.

Das obige Bild bezieht sich auf den gegenwärtigen Umgang der EU mit den Flüchtlingsströmen: Das Bauen von Zäunen wird kritisiert.

Dabei wirft dieses Bild zuerst einmal zwei Gruppen von Menschen durcheinander. Nämlich die europäischen Staaten und ihre Völker. Die
europäischen Staaten sind es nämlich die die Asylpolitik machen, Zäune werden immer noch im Auftrag des Staates gebaut und nicht weil sich das seine Bürger*Innen so gedacht haben. Auch wenn die das teilweise durchaus gutheißen mögen. Von den staatlichen Berechnungen die dahinterstehen, nämlich keine weiteren überflüssigen Menschen am Arbeitsmarkt zu brauchen, kommt deswegen auch gar nichts vor. Die Aufforderung keine Zäune zu bauen wird einfach an die Allgemeinheit gestellt. Es wird also kein Unterschied zwischen den Bürger*innen und dem Staat gemacht.

Außerdem hat der oder die Autor*in des Bildes eine falsche Vorstellung von Reichtum in dieser Gesellschaft. Er oder sie sieht, dass es in der EU durchaus Berge an Gebrauchsgütern gibt, denkt sich also, dass eh mehr als genug da ist und dass dieser Reichtum ja nur mehr verteilt werden müsse. Von dieser Perspektive aus ist es tatsächlich irrsinnig Zäune zu bauen. Da kommt ja keine*r mehr an den Reichtum ran der herumliegt.

Also kann das nicht der Zweck des Reichtums sein, der in der EU produziert wird. Tatsächlich findet eine Produktion von Gebrauchsgütern
nur statt, wenn sich die Produktionsmittelbesitzer*Innen 1 davon einen Gewinn versprechen. Diese Besitzer*innen sind am Verkaufswert der Güter interessiert – und um den zu kriegen müssen sie alle, die ihre Güter brauchen, erstmal davon aussperren. Sprich: Wer die Ware haben will, muss zuerst Geld dafür hergeben.

Das ist aber auch nicht der Grund für die Zäune, die an den Grenzen gebaut werden. Aber es gibt schon mal einen Hinweis darauf – der
Reichtum an Gebrauchsgütern den es hier gibt, der ist nicht dafür da, an die verteilt zu werden, die ihn brauchen. Sondern dafür da ein Plus in der Gewinnrechnung zu erzeugen. Hinter diese Rechnung stellt sich der Staat 2. Er ist interessiert daran, dass in seiner Gesellschaft möglichst viel Gewinn gemacht wird und beurteilt auch die Flüchtlinge unter diesem Gesichtspunkt. Wenn er davon ausgeht, dass kein*e Unternehmer*in sie für seine Rechnung gebrauchen kann und er auch sonst keine Gesichtspunkte kennt wie sie für ihn nützlich sind, dann stören sie ihn generell – und dann baut er auch Zäune, um sie draußen zu halten. 3

1 Das sind die, denen die Dinge gehören mit denen andere Dinge produziert werden. Zum Beispiel Fabriken, oder Maschinen, oder Tankschiffe.
2 Warum das so ist, das zu begründen würde den Rahmen dieses Textes sprengen. Ihr könnt es aber hier nachlesen.
3 Es gibt natürlich auch Staaten, welche keine Zäune bauen. Diese Staaten handeln aber auch nach ihrem eigenen Interesse. Sie befinden sich nur in einer anderen Situation oder schätzen diese anders ein. Auch reiner Menschenfreundlichkeit nehmen sie keine Flüchtlinge auf. Siehe auch den Text der Gruppen gegen Kapital und Nation „Was „Merkels kurzer Sommer der Menschlichkeit“ über die deutsche Realität aussagt“

(In diesem Text verwenden wir das generische Maskulinum. Hier findet Ihr Informationen zu unserem Umgang mit gendergerechter Sprache.)

Bearbeitetes Fleisch erhöht laut WHO das Krebsrisiko. Ein guter Tag für Vegetarier? Endlich ist der Zusammenhang zwischen Fleisch und Krebs bewiesen?

Nein – denn was wirklich krebserregend ist, dass ist der Kapitalismus der im Fleisch steckt, und nicht das Fleisch selber. „Bearbeitet“, darin steckt schon das ganze Rätsel begraben. Fleisch landet nämlich nicht nur am Teller, um gut zu schmecken und nährhaft zu sein, sondern muss, um das überhaupt sein zu können, erstmal ganz schön profitabel sein.

Um das zu erfüllen, werden alle Nutztiere mit Antibiotika vollgesteckt. Um Kosten für die Flächen zu sparen, auf denen sie gehalten werden, und um sie vom Bewegen abzuhalten, werden sie nämlich auf möglichst geringem Raum zusammengepfercht, und dabei entstehen Krankheiten.

Nach der Schlachtung wird das Fleisch zuerst mal desinfiziert, damit die Keime die trotzdem entstehen nicht dem Konsumenten auf den Magen schlagen – mit Lebensmittelerkrankung arbeitet es sich schlecht. Das ist auch der Grund für das Chlor im berühmten Chlorhühnchen – das Chlorbad ist nötig damit keine krankheitserregenden Keime im Hühnerfleisch bleiben.

Beim desinfizieren geht ganz viel Geschmack verloren, da müssen dann Geschmacks-, Geruchs und Farbstoffe aushelfen. Die chemische Industrie hat ein weiteres Feld erobert, und eventuelle krebserregende Wirkungen sind noch nie im Labor aufgetreten und daher nicht existent.

Und auch halten sollte sich das Fleisch. Ein Lohnarbeiter hat schließlich keine Zeit täglich neu einzukaufen, da muss die Wurst schon ein paar Tage bis Wochen im Kühlschrank halten damit man sie verzehren kann. Also müssen Konservierungsmittel ran – wieder Chemikalien die vor allem wegen ihrer Hauptwirkung und nicht ihrer Nebenwirkungen vom Anwender geschätzt werden.

Nach allen diesen „Bearbeitungen“ kann dann das Fleisch seine krebserregende Wirkung entfalten – dass es dann nicht am Fleisch liegt sondern am Zweck für den es herhalten muss, das verschwindet in der Berichterstattung.

Wer kennt das nicht? Dumpstern und Containern. Ist das nun ein politischer antikapitalistischer Akt oder eine Art und Weise in dieser Gesellschaft zurecht zu kommen? In unserem neuen Text Der Griff in die Mülltonne wollen wir genau das klären.

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