Vorsicht. Dieser Text ist eine veraltete Version. Er existiert nur mehr aus Gründen der Nachvollziehbarkeit von Kritik an uns.

In diesem Text wird der Einfachheit halber nur die weibliche* Form verwendet. Jede andere Geschlechteridentität ist mitgemeint.

Aufgepasst: Begriffe wie Kapitalistin oder Profit sind oft moralisch aufgeladen, bei uns stehen sie nur für ökonomische Kategorien.

Einleitung

Man hört es oft: Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn die Leute nur richtig, weil bewusst, konsumieren würden. Egal ob immer mehr Lebensmittel mit viel kritisierten Technologien (Stichwort Genmanipulation) produziert werden, Produkte unter verabscheuungswürdigen Bedingungen für Mensch und Tier entstehen oder eigentlich noch brauchbare Sachen einfach weggeworfen werden – für Kritikerinnen des Konsums liegt die Lösung nahe. Sie selbst und alle anderen sollen ethisch korrekt konsumieren. Dieser ethische Konsum kann dabei unterschiedlichste Formen wie FairTrade oder auch regional und biologisch einkaufen annehmen.

Dabei sehen wir ein Problem: Veränderter Konsum führt gar nicht zur Abschaffung der ganzen Misstände, diese haben ihren Grund woanders. Damit diese falschen Vorstellungen über den Konsum aus den Köpfen der Leute verschwinden und wir uns an die Beseitigung der wirklichen Gründe der Misstände machen können, haben wir diesen Text geschrieben.

Die Lebenslüge der Konsumentinnenmacht

Was ist es nun, was den Konsum wirklich bestimmt und was ist von der behaupteten Konsumentinnennmacht zu halten? Konsum lässt sich ganz grundsätzlich so beschreiben:  Menschen ziehen aus Dingen oder Dienstleistungen einen gewissen Nutzen. So zieht man Schuhe an bis man neue braucht, beim Frisör werden die überflüssigen Haare abgeschnitten, und das Brot wird jeden Morgen mit Nutella bestrichen und dann im Magen verstaut.

Diese Güter (und Dienstleistungen) sind einerseits in unserer Gesellschaft massenhaft vorhanden, die Supermarktregale sind gut gefüllt und meistens quellen sogar noch die Müllcontainer dahinter vor brauchbaren Sachen über. Eine super Sache, könnte man sich denken. Man braucht einfach nur zuzugreifen und hat alles was man so braucht.

Voller Supermarkt und leerer Magen – wie passt das zusammen?

Jetzt kommt die andere Seite: Man ist nämlich vorerst von all diesen nützlichen Dingen getrennt, man kann sie nicht einfach nehmen. Naja, man kann schon – bis man erwischt wird und sich in einer Gefängniszelle erstmal keine Sorgen mehr um Konsum machen muss. Was das Konsumieren dieser Dinge verhindert, ist, dass diese Dinge Eigentum anderer Menschen sind. Um trotzdem konsumieren zu können, gibt es ein, und nur ein, Mittel in unserer Gesellschaft: das Geld. Die Bettlerin schnorrt einen dafür an, um sich damit Brot für den Magen und Schnaps gegen die Kälte zu kaufen, der Supermarkt wills für die Milch und das Brot. Selbst wenn man sich denkt man schlägt der Gesellschaft ein Schnippchen und stellt die Güter die man braucht selbst her, muss man Geld hinlegen: für Ackerboden, Produktionsmittel, Werkstoffe usw..

In dieser (kapitalistischen) Gesellschaft sieht es so aus: Ohne den Tausch „Geld gegen Ware“ ist in den allermeisten Fällen nichts möglich1. Hier kann schon etwas über die sogenannte Konsumentinnenmacht gesagt werden – Kein Geld, keine Macht Ware zu kaufen.

Kapitalistinnen und Arbeiterinnen: Alles Schnee von gestern?

Das einzige Mittel, welches die Konsumentinnenmacht aufbieten kann, das Geld, hat eine Besonderheit: Man besorgt es sich nicht ein einziges Mal und hat dann genug davon für den Rest des Lebens, ganz im Gegenteil: Jedes Mal wenn man es benützt um an die Güter die man braucht zu kommen, wird das Geld weniger. Und da der Mensch auch ständig konsumieren muss – Lebensmittel müssen regelmäßig gekauft werden, die Miete jeden Monat bezahlt werden – braucht jeder eine ständige Geldquelle.

Sich eine Geldquelle zu besorgen ist für alle Menschen notwendig – alle sind zuerst mal ausgeschlossen von den Dingen die sie brauchen, und brauchen ständig Geld um diese Trennung zu überwinden. Wie die Lebensumstände eines Menschen in dieser Gesellschaft aussehen, ergibt sich aus der Art der Geldquelle die er besitzt.

Die erste Gruppe von Menschen hat schon ziemlich viel von diesem Geld (oder geldwerten Sachen wie Fabriken und ähnliches). Und zwar soviel davon, dass der Geldbedarf für den normalen Konsum leicht gedeckt ist und immer noch ein Haufen übrig bleibt, für den sich eine Verwendung finden lässt. Diese Leute, die übrigens nur ein verschwindend kleiner Anteil aller Leute sind, nennt man Kapitalistinnen. Die Verwendung, die sie für ihr Geld haben, nennt sich Geldanlage. Das funktioniert im Großen und Ganzen so, dass das Geld für eine gewisse Zeit weggegeben wird und vermehrt zurückkommt. Von diesem Ertrag können die Kapitalistinnen dann leben und ihr Geld wieder auf die Reise schicken um noch mehr Gewinn zu machen.

Die zweite Gruppe hat ziemlich wenig bis gar kein Geld – und was sie davon hat, muss sie für den täglichen Konsum ausgeben. Den Menschen in dieser Gruppe bleibt nur eine Option um an das benötigte Geld zu kommen: Sie müssen ihre Arbeitskraft verkaufen 2. Deswegen nennt man diese Menschen auch Arbeiterinnen 3.

Wir sind zwar ziemlich gescheite und vertrauenswürdige Menschen, aber ihr müsst nicht unbedingt unser Wort dafür nehmen, dass die Aufteilung der Gesellschaft wirklich so ist. Die Arbeiterkammer hat z.B. herausgefunden, dass 5% der Österreicherinnen über die Hälfte des Vermögens gehört. Übrigens trifft diese Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums nicht nur auf Österreich zu. Diese Verteilung findet sich in jedem Staat der Welt. Das ist weder ein Zufall noch ein großes Geheimnis. Wer die Gesellschaft verstehen will, muss nicht nach Verschwörungen und geheimen Machenschaften suchen. Dafür reichen auch öffentlich zugängliche Daten und Fakten.

Der Arbeitsplatz: Zwei Klassen treffen sich…

Wir haben festgestellt, dass die Arbeiterinnen ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, denn sie brauchen Geld – nur damit kommen sie an all die Sachen, die sie brauchen. Ihre Arbeitskraft kann jedoch nur von Menschen gekauft werden, die genug Geld besitzen um einerseits ihren eigenen Konsum zu finanzieren und andererseits noch genug Geld für Invesitionen übrig haben. Es wird euch nicht überaschen: Die oben genannten Kapitalistinnen besitzen dieses Geld und nutzen es um Arbeiterinnen für sich arbeiten zu lassen, auch dies ist eine Form der Investition.

Dass das so ist, das merkt man schon an der Arbeitsplatzsuche. Man schreibt nicht einfach ein Facebookposting o.ä. mit dem Inhalt “Ich will meine Arbeitskraft verkaufen!”, weil man weiß, dass die meisten der Freundinnen es sich gar nicht leisten können, eine einzustellen. Man sucht immer den Kontakt zu einer Person, die irgendwie mit einem Unternehmen verbunden ist, damit dort ein gutes Wort eingelegt wird. Diejenigen die darüber entscheiden ob jemand einen Arbeitsplatz hat oder nicht sind also nicht einfach alle, sondern nur eine bestimmte Gruppe – nämlich die Kapitalistinnen (bzw. ihre unmittelbaren Handlangerinnen: Personalmanagerinnen o.ä.).

…die einen aus Not…

Wir haben also festgestellt, dass die Arbeitskraft von der Kapitalistin gekauft und von der Arbeiterin verkauft wird. Warum die Arbeiterin verkauft wissen wir auch schon: Sie braucht Geld. Das gibt ihr die Kapitalistin, von der wir aber noch nicht wissen, warum sie die Leute anstellt. Dass das die Kapitalistinnen machen, können wir überall feststellen, denn Leute bekommen Arbeitsplätze. Um zu ergründen warum das passiert, lohnt es sich zu betrachten, was die Arbeiterinnen an diesen Arbeitsplätzen eigentlich machen.

Die stehen dort nicht einfach herum oder schauen sich Youtube-Videos an. Sie arbeiten und stellen damit Gebrauchsgüter her, oder Dienstleistungen zur Verfügung. Eine Bäckerin backt Brote, eine Friseurin schneidet Haare, eine Anwältin vertritt einen vor Gericht – sie stellen also einen Nutzen bereit, den andere Menschen, warum auch immer, brauchen.

…die anderen für Profit.

Nun interessiert die Kapitalistin an diesem Vorgang etwas Bestimmtes. Sie kauft sich nicht einfach Arbeitskräfte ein und verkauft dann das Produkt deren Arbeit. Sie interessiert die Relation zwischen der Masse an Geld das sie ausgegeben hat und der Masse an Geld das sie eingenommen hat. Dieses Mehr, also wie viel mehr sie einnimmt als sie ausgibt, ist der Profit 4.

Ein kurzes Beispiel soll das verdeutlichen: Wir nehmen an, dass ein Unternehmen 100 Euro für Materialien und 50 Euro Lohn für die Produktion einer Ware ausgibt. Verkauft dieses Unternehmen die Ware dann für 200 Euro, so hat es einen Profit von 50 Euro erwirtschaftet. Muss das Unternehmen nur 30 Euro Lohn bezahlen, so erhöht sich der Profit auf 70 Euro.

Verhältnis von Lohn zu Profit

Verhältnis von Lohn zu Profit

Warum ist das alles interessant für die Konsumentinnenmacht? Warum wollen wir euch etwas über Konsumkritik erzählen und kommen dann mit Profitrechnung? Nun, wenn einem Menschen an der Produktion der Profit interessiert, dann ist der Lohn, also die Menge an Geld welche die Arbeiterinnen für ihre Arbeit erhalten, immer zu hoch. Je kleiner der Lohn ist, desto größer ist der Profit. Anders gesagt: Je größer der Lohn, desto kleiner fällt der Profit aus. Die Kapitalistinnen haben also ein Interesse daran den Lohn der Arbeiterinnen möglichst niedrig zu halten.

Und damit sind wir am springenden Punkt: Das Mittel, womit die Konsumentinnen ihre Macht ausüben wollen, haben sie erst mal gar nicht selber zur Verfügung, sondern müssen sie sich von einer anderen abholen. Diese andere, die Kapitalistin, schaut noch dazu, dass vom Mittel der Konsumentinnenmacht so wenig wie möglich übrig bleibt! Als Macht bezeichnet man die Menge an Mitteln, die für die Durchsetzung der eigenen Interessen zur Verfügung stehen. Wenn nun aber das einzige Mittel, das ich zur Durchsetzung meiner Interessen zur Verfügung habe, abhängig vom Interesse einer anderen ist, wie kann ich da von einer Macht schwärmen, die ich angeblich besitze?

Und wir wirkt sich das nun aus?

Im ersten Abschnitt wurde generell gezeigt, warum es mit der Konsumentinnenmacht nicht so weit her ist. In diesem Abschnitt gehen wir auf verschiedene Formen dieser falschen Vorstellungen ein, erklären, wieso sie entstehen, und zeigen was daran falsch ist.

Kundin ist Königin?

Die erste solche falsche Vorstellung steckt schon im Titel: Die Kundin sei Königin, sei der bestimmende Part des Verhältnisses, das wir vorher als Konsum bestimmt haben. So wie die meisten falschen Vorstellungen bezieht sich auch diese auf einen Umstand, der wirklich existiert: die freie Konsumentscheidung. Hat man genug Geld, dann steht einer eine riesige Warenwelt offen und ganz viele nützliche Dinge zur Verfügung. Verkauft wird das alles von ständig lächelnden und freundlichen Verkäuferinnen.

Bevor man diese Freiheit aber nutzen, also konsumieren kann, muss man zuerst mal dafür arbeiten – nicht umsonst teilt einem die Sinnspruchwelt mit, dass Geld nicht auf Bäumen wachse und die Eltern haben einer früher jeden Wunsch mit dem Hinweis auf die dafür nötige Arbeitszeit ihrerseits verderben wollen. Dazu kommt: Die Möglichkeit diese Arbeit zu verrichten, hängt gar nicht vom eigenen Wunsch danach ab. Nur weil ich auf der Suche nach Arbeit bin, heißt das noch lange nicht, dass ich auch welche finde. Das hängt immer noch von den Berechnungen einer Unternehmerin ab. Und so passiert es auch, dass genug Menschen ohne Arbeit sind und eine ständige Arbeitslosenstatistik geführt wird: Sie einzustellen lohnt sich einfach nicht.

Die Nettigkeiten, die einem vor dem ersehnten Konsum erwarten, hören aber selbst da noch nicht auf. Die Rechnungsweise der Unternehmen sorgt dafür, dass die Chancen auf einen Arbeitsplatz oft ziemlich gering sind. Die gleiche Rechnungsweise bewirkt aber auch, dass der Lohn, den man für die verrichtete Arbeit erhält immer möglichst gering ist. Schließlich ist der Lohn immer ein Abzug vom Profit und nachdem ja gerade wegen dem Profit erst produziert wird, muss der Lohn möglichst niedrig gehalten werden.

Die angeblich absolute Macht, welche die Konsumentinnen haben, stellt sich als bei näherem Hinsehen als eine ziemliche Illusion heraus. Das Mittel, das sie zur Ausübung dieser Macht besitzen, wird ihnen nur gewährt, wenn es auch in einem ihnen feindlichen Interesse liegt.

Produziert wird, was gebraucht wird?

Die zweite falsche Vorstellung über den Konsum betrifft das Warenangebot, aus dem ausgewählt werden kann. Die Leute stellen sich vor, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Die Wünsche und Bedürfnisse der Leute also dafür verantwortlich sind, was es im Supermarkt und sonst wo zu kaufen gibt. Woher diese Vorstellung kommt ist auch relativ klar, gibt es doch fast alles was man sich vorstellen kann zu kaufen. Sogar Produkte wie Reinigungssocken für Katzen oder Decken mit Ärmeln, die man sich vielleicht nicht gerade erwartet.

Katze mit Socken

Katze mit Socken

Trotzdem ist die Erklärung, dass die Bedürfnisse der Menschen der Zweck der Produktion wären, eine falsche. Warum? Wäre es wirklich so, würde vieles was man so beobachten kann keinen Sinn ergeben. Menschen sitzen vor Supermärkten und haben klarerweise ein Bedürfnis nach den Sachen drinnen, müssen aber zuerst um Geld betteln um daran zu kommen. Leute erfrieren im Winter, obwohl genug Wohnungen und Heizungsmittel da sind. Daran zeigt sich, dass zwar viele Bedürfnisse existieren, aber nur als Mittel und nicht als Zweck. Als Mittel der Kapitalistinnen nämlich, um mit den Bedürfnissen einen Profit zu erwirtschaften. Die Bedürfnisse sind nicht der Grund für die Produktion, sonst würden sie befriedigt werden.

Da der Profit eine Geldmenge ist, die größer als die vorgeschossene ist, folgt daraus auch, dass nur die kaufkräftigen, also die mit Geld ausgestatteten, Bedürfnisse interessant sind: Die Bettlerin ohne Kohle muss selber schauen wo sie ihre Nahrung herkriegt, der Supermarkt bedient sie nicht.

Auch an “erfundenen” Bedürfnissen kann einiges gezeigt werden: Vor Nespresso hatte kein Mensch das Bedürfnis, Kaffee aus kleinen Aluminiumkapseln zu trinken. Wenn man Bedürfnisse möglichst effizient befriedigen will, wäre es ein Unding neue zu schaffen. Braucht man sie aber als Mittel für Profit, kann es nicht genug davon geben. Natürlich nur solange die Bedürfnisse kaufkräftig sind und auf Produkte zielen, die man selbst herstellt. Zur Klarstellung: Uns geht es um die Motivation der Unternehmen, neue Bedürfnisse zu erschaffen, um sie als Mittel für Profit einsetzen zu können – gegen Spielen mit Smartphones und das Trinken von Kaffe aus Kapseln ist nichts einzuwenden. Auch haben wir nichts gegen technischen Fortschritt, wir lehnen nur den Zweck ab zu dem dieser stattfindet.

Es gibt aber noch mehr Phänomene, die zeigen, dass nicht für die Bedürfnisse, sondern für den Profit produziert wird: Geplante Obsoleszenz 5 oder Premium-Marken wären solche. Dinge die nach einer eingeplanten Lebenszeit ihren Geist aufgeben wären vom Bedürfnisstandpunkt komplett widersinnig: Muss man sie doch nochmal produzieren, um das gleiche Bedürfnis zu stillen. Für den Zweck des Profits geben sie allerdings einiges her, doppelt verkauft heißt auch doppelt Geld eingestrichen.

Das gleiche gilt für Premiumnahrungsmittel. Denkt man an Käse, will man zuerst mal, dass der schmeckt und nahrhaft ist. An Premium denkt man bei so etwas nicht. An Premium denkt die Kundin nur, weil ihr bewusst ist, dass es auch minderwertige Nahrung gibt. Premium ergibt nur dann Sinn, wenn man sich vor Augen führt, dass Nahrungsmittel ja auch Geld abwerfen müssen für das Unternehmen, das sie produzieren lässt. Deswegen müssen die Produktionskosten möglichst gering sein. Es werden also beispielsweise viel Dünger, Pestizide und Herbizide verwendet, welche für gleiches oder weniger Geld dem Unternehmen erlaubt mehr Nahrung zu produzieren. Dabei kommen dann mit allerlei Giften verseuchte Nahrungsmittel raus. Premiumprodukte hingegen sind solche Produkte, bei denen Unternehmen versprechen auf Praktiken zu verzichten, welche die Qualität der Nahrung verschlechtern. Dieses Versprechen lassen sie sich aber nur für teures Geld (siehe den Preis für bio, FairTrade und Premiumprodukte) abkaufen. Dass dieses Versprechen oft genug nicht eingehalten wird, sollte offensichtlich sein, wenn man sich den Grund dafür klar macht, warum es überhaupt nötig ist. Das Unternehmen will mit möglichst wenig finanziellen Aufwand einen möglichst hohen Profit einfahren.

Konsumentinnen und Unternehmen: Eine wunderbare Freundschaft?

Die vorigen Absätze haben versucht zu zeigen, was mit der Behauptung der Konsumentinnenmacht in all ihren Ausprägungen falsch ist. Gleichzeitig konnten wir aber auch etwas über die Beziehung von Unternehmen und Konsumentinnen lernen: Sie sind Interessensgegnerinnen.

Konsumentinnen haben beim Konsum ein Interesse an einem geringen Preis, da klar ist: Je billiger sie an die gewünschten Güter rankommen, desto mehr eigene Bedürfnisse können sie befriedigen. Gleichzeitig haben sie aber auch ein Interesse an hoher Qualität, da sie ihre Dinge möglichst lange benutzen wollen und sich einen hohen Gebrauchswert erhoffen.

Bei den Unternehmen sieht das etwas anders aus: Sie haben am Konsum genau ein Interesse und das ist der Profit. Um dieses Interesse zu bedienen sind erstens ein hoher Preis und zweitens geringe Herstellungskosten von Vorteil (was sich oft in einer geringen Qualität der verkauften Dinge niederschlägt).

Mit solchen sich ausschließenden Interessen (eine Ware kann nicht gleichzeitig teuer und billig sein) müssen diese beiden Gruppen notwendigerweise in Konflikt geraten. Solch ein Konflikt sollte sich also auch zeigen, wenn wir uns die Welt des Konsums ansehen. Und siehe da, es wimmelt nur so von Erscheinungen dieses Konflikts. Es gibt Ministerien für Verbraucherschutz, die nur dafür eingerichtet sind, die Konsumentinnen zu beschützen: Vor gesundheitsschädlichen Produkten, vor Produkten die gar nicht das können was beworben wird, usw. usf..

Kundin nicht Königin – Kundin als Mittel zum Zweck!

Nichts also mit Kundin ist Königin. Die Kundin kommt in der kapitalistischen Wirtschaftsweise, wie die Arbeiterin, nur insoweit vor, als sie ein Interesse befriedigt, dass dem ihren direkt widerspricht: Dem Interesse der Unternehmen an Profit. Das denken wir klargemacht zu haben. Seid ihr noch nicht überzeugt, schreibt uns.

Fazit

Zum Schluss noch ein Sprung an den Anfang: In der Einleitung haben wir versprochen, die wirklichen Gründe für all die Übel zu nennen, welche manchen Menschen so sauer aufstoßen, dass sie darüber zu Konsumkritikerinnen werden. Diese Gründe liegen in den zwei Widersprüchen, die wir herausgearbeitet haben:

Da Unternehmen Interesse an einem hohen Profit haben, ergibt sich daraus für die Menschen die in diesen arbeiten, ein möglichst geringer Lohn. Weiters sind ihre Arbeitsplätze so eingerichtet, dass sie für Stimmung, Gesundheit und oft das Leben eine Gefahr darstellen.

Da Unternehmen Interesse an einem hohen Profit haben, ergibt sich daraus für die Umwelt, die als Grundlage und Stoff der Produktion dient, die Zerstörung: Böden und Gewässer werden verseucht, weil die Entsorgung in ihnen billiger ist als eine umweltfreundlichere. Tiere werden möglichst billig, also grausam gehalten.

Diese Übel werden jedoch nicht durch Kritik an der Art und Weise wie Menschen konsumieren aus der Welt geschafft. Das Appellieren an ethischen Konsum verändert nichts an den herrschenden Verhältnissen. Auch unsere vorgetragene Kritik am Konsum im Kapitalismus, schafft dessen Übel nicht ab. Nimmt man sie jedoch ernst und zieht aus ihr die praktischen Konsequenzen, ergibt sich ein ganz anderes Programm als Reformen, die den Kapitalismus auch nicht sympathischer und menschenfreundlicher machen: Notwendig ist das Abschaffen einer Wirtschaftsweise, die sich um Geldvermehrung dreht und das Schaffen einer, in der es um die Bedürfnisbefriedigung der Menschen geht.

Falls bei euch ein schlechtes Gefühl im Magen übrigbleibt, weil:

  • ihr doch ein paar gute Argumente für ethischen Konsum kennt,
  • ihr eine Spielart von ethischem Konsum kennt die ihr gut findet und die bei uns nicht vorkommt,
  • ihr sonst irgendwas kennt das für die Thematik wichtig ist aber hier nicht zu finden ist,

dann meldet euch. Für Diskussionen zu diesem Thema sind wir immer bereit, und von richtigen Argumenten lassen wir uns immer gerne überzeugen.

Fußnoten:

1 Auch wenn in dieser Gesellschaft Formen des Konsums ohne Tausch von Ware gegen Geld existieren, so zeigen diese Ausnahmen gerade den Charakter, den der Konsum in dieser Gesellschaft annimmt. Das Dumpstern von Nahrungsmitteln ist entweder rechtlicher Graubereich oder gleich ganz verboten, von Diebstahl ganz zu schweigen.

2 Häufiger Einwand: Stimmt doch gar nicht dass Arbeiterinnen ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Die können genausogut von Arbeitslosenhilfe oder Mindestsicherung leben.
Was daran falsch ist: Nur bedingt, denn es hat seinen Grund warum die meisten Menschen einen Arbeitsplatz viel lieber haben, als diverse sozialstaatliche Maßnahmen: Der Staat weiß, dass Arbeitsplätze so unangenehm sind, dass viele Arbeiterinnen lieber darauf verzichten würden. Deswegen berechnet er erstens die Höhe der Beträge, die er an die Arbeitslosen auszahlt ziemlich knapp. Die Mindestsicherung beträgt z.B. 814 Euro und ist damit unter der Armutsgrenze.  Zweitens schikaniert er die Empfängerinnen, die er als arbeitsfähig einstuft mit lauter Zwangsmaßnahmen, wie z.B. Besuche beim AMS/Jobcenter, Bewerbungen schreiben für jeden Scheißjob, Qualifikationskurse ohne Inhalt etc..

Häufiger Einwand: Na gut, Arbeitslosenhilfe ist wirklich nicht das wahre, aber die Leute haben doch heute viel mehr Möglichkeiten als einfach für Lohn zu arbeiten! Sie können sich z.B. Selbstständig machen, und sich so von den ganzen Notwendigkeiten die ihr aufführt befreien.
Was daran falsch ist: Bei der Selbständigkeit sind zwei Fälle zu unterscheiden. Zuerst einmal die Arbeiter, die von ihrer Firma gefeuert werden und zukünftig als Subunternehmer (IchAG) Aufträge von ihr bekommen. Dies wird von Firmen getan, um Steuern und Abgaben zu sparen, und ändert außer einer vermehrten Ausbeutungsrate für die Arbeiter gar nichts. Dass diese Art der Selbstständigkeit auch vom Staat nicht gewünscht ist, merkt man an dem dauernd von Politikern gefordertem Vorgehen gegen Scheinselbstständigkeit.
Der andere Fall, der wohl eher gemeint ist, sind Leute die sich tatsächlich etwas Kapital besorgen (per Bankkredit) und damit ein kleines Unternehmen starten, meistens solche Sachen wie ein Dönerstand, ein Friseurladen o.ä. Diese Leute arbeiten tatsächlich nicht mehr für den Gewinn eines anderen, sondern nur für sich selbst. Nur haben auch die ein Problem: Ihr Kapital ist meist nicht groß genug, um mehr als ein-zwei Leute anzustellen. Deswegen müssen sie auch selbst mitarbeiten um überhaupt über die Runden zu kommen. Ihr Mittel, um an Geld zu kommen, ist also auch hier nicht die Arbeit fremder Leute – während sie die paar Angestellten die sie haben natürlich auch ausbeuten reicht das alleine nicht um sich eine Existenz zu ermöglichen. Das merkt man daran, dass solche kleinen Meister, wie Marx sie nennt, meistens eine ziemlich lange Arbeitszeit haben (Arbeitswochen von bis zu 60 Wochen), und trotzdem finanziell meistens ziemlich schlecht dastehen.
Auch diese Selbstständigen sind den Notwendigkeiten, die ein Leben ohne nennenswertes Kapital mit sich bringt, also nicht entkommen, sondern gehen anders mit ihnen um.

3 Der Begriff Arbeiterin wird auch oft in einem anderen Sinn verwendet. Er bezeichnet dann Arbeiterinnen, die in der Industrie tätig sind, in Abgrenzung zu Arbeiterinnen in Büros, die dann Angestellte genannt werden. Wir meinen hier unserer Definition nach alle Menschen, welche für ihren Lebenserhalt auf Lohnarbeit angewiesen sind, also Lohnabhängige.

4 Häufiger Einwand: Für große Firmen stimmt das schon, dass die nur auf den Profit aus sind – kleinere Firmen wollen aber doch einfach nur was Nützliches herstellen, und müssen dafür halt Gewinn machen. Ihr einziges Ziel ist der Profit sicher nicht.
Was daran falsch ist: Das Verhalten von kleineren Firmen wirkt oft so, als würden sie tatsächlich nicht all die Profitberechnungen anstellen, die man kennt. Sie wandern relativ selten in Niedriglohnländer ab, schütten selten Dividenden an Aktionäre ab (da sie meistens keine Aktiengesellschaften sind) etc. etc. All dies ist jedoch nur eine andere Konkurrenzstrategie: Mit wenig Kapital kann man nicht so leicht seinen Standort verlegen, und Aktien emittiert man dann wenn man ein größeres Kapital anschaffen will. Diese kleinen Firmen sind dann meistens in Nischen tätig, in denen sie mit ihrer vergleichsweise geringen Konkurrenzleistung noch durchkommen. Sobald in eine dieser Nischen jedoch größere Unternehmen einsteigen, gehen sie auch regelmäßig pleite: So wie die Greißler, die die Waffen vor den Supermarktketten strecken mussten. Der Zweck der Firmen ist also gar nicht anders, ob groß oder klein. Nur die Konkurrenzstrategie um diesen Zweck zu erreichen, nämlich Profit, kann variieren.

5 Geplante Obsoleszenz bezeichnet die absichtliche Verringerung der Lebensdauer von Produkten, die deren Produzentinnen einsetzen um dafür zu sorgen öfter bzw. mehr davon zu verkaufen. Ein mögliches Beispiel wäre die Verwendung von gleich teuren, aber kurzlebigeren Materialien, von denen man weiß, dass sie kurz nach der Garantielaufzeit den Geist aufgeben. Nachgewiesen konnte bisher die Absicht nicht, auch wenn es ähnliche Dinge auf jeden Fall gibt: Wenn beispielsweise Druckerpatronen eine Chip eingesetzt bekommen, damit man sie nicht wiederverwerten kann. Aber schon alleine der Fakt, dass man sich eine derartige Praxis durchaus vorstellen kann zeigt auf, worum es bei der Produktion von Gebrauchsgütern wirklich geht, nämlich um ihren Gebrauch zur Profitgenerierung von Unternehmen, und nicht um den Nutzen den die Kundin daraus zieht.

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