Reich und Arm driften auseinander – so heißt es. Doch wenn man die ganze Welt anschaut, stimmt das überhaupt nicht.

Mit diesem Satz beginnt der Artikel Globalisierung: Nach oben gehangelt auf ZeitOnline. Mit vielen Zahlen und Statistiken soll folgendes belegt werden:

Die Erzählung vom Niedergang der Mittelschicht und dem Anstieg der Armut ist in ihrem Kern von einer westlichen Sicht der Dinge geprägt. Für einen großen Teil der Menschheit hingegen gilt: Die Welt ist heute materiell betrachtet in einem besseren Zustand als in der vermeintlich guten alten Zeit.

Ob nun die Statistik, dass im Vergleich vor 10 Jahren weit mehr Menschen über 1,90 US Dollar pro Tag verfügen, beweist, dass sich die Lebensbedingungen dieser Menschen verbessert hat, ist fraglich (kurzes Stichwort: Subsistenz vs. Lohnarbeit). Weiters kann mensch sich die Frage stellen, ob der Zugang zu Trinkwasser auch schon zugleich die gesicherte Versorgung darstellt (kurzes Stichwert: Güter nur für die, die es sich leisten können).

Doch nehmen wir an all diese Zahlen und Statistiken treffen zu, so stellt sich für ZeitOnline folgende Frage:

Weil die Welt in Staaten eingeteilt ist, ist die globale Dimension der Einkommensverteilung bislang kaum Gegenstand öffentlicher Debatten. Dabei wirft sie einige extrem knifflige moralphilosophische Fragen auf: Ist es beispielsweise ein Skandal, wenn es in Deutschland mehr Arme gibt, weltweit aber weniger? Und wenn die Armen in Deutschland unter der Globalisierung leiden, die Armen in Laos aber von ihr profitieren: Ist es dann legitim, die Globalisierung zu bekämpfen, obwohl doch ein laotischer Armer erheblich ärmer ist als ein deutscher Armer?

Kurz gesagt: Sollten wir die Globalisierung nicht dafür loben, dass sie Menschen in ärmeren Gegenden bevorteilt und die Nord-Süd Einkommensschere verringert?

Indem sich die armen Länder auf die Globalisierung einlassen, machen sie den etablierten Industrienationen genau jene Stellen streitig, die den unteren Mittelschichten der westlichen Welt bislang ein sicheres Einkommen und eine stabile Erwerbsbiografie verschafft haben.

Es geht also um Konkurrenz der Staaten in der weltweiten Marktwirtschaft. Und in einer Konkurrenz gibt es „nun eben“ Verlierer*innen und Gewinner*innen. Der Artikel endet mit dem Fazit.

Denn vieles von dem, was in den Industriestaaten als gerecht und fortschrittlich erachtet wird – strenge Sozialstandards und Umweltnormen im internationalen Handel beispielsweise –, nimmt man in vielen Entwicklungsländern häufig nur als ein weiteren Versuch wahr, den Produzenten in Afrika oder Asien den Zugang zu den westlichen Märkten zu verwehren. Es bleibt eben nicht ohne Folgen, wenn Solidarität nicht mehr national, sondern international gedacht wird.

Was ist nun von dieser Argumentation zu halten? Es ist ja auch wahr: Es gibt einige Menschen die sich dem „armen Süden“ gegenüber solidarisch fühlen. Menschen, welche das „Nord-Süd Gefälle“ beklagen und sich für gerechtere Wirtschaftsverhältnisse einsetzen. Oder anders gesagt: „Wir“ haben zuviel, „die anderen“ zu wenig.

Wer diesen Blick und diese Analyse teilt, der*die fordert genau das: Sogenannte Entwicklungsländer sollen wirtschaftlich erfolgreicher werden. Eines wird dabei aber akzeptiert und nicht kritisiert: Die Vermögensverteilung, die nun in jedem Land, egal ob Österreich und Deutschland oder China und Uganda, gleich ist. Diejenigen die arbeiten, verfügen über einen Bruchteil des erarbeiteten Wohlstands. Diejenigen die arbeiten lassen, besitzen den allergrößten Teil des Reichtums.

Wer sich an den miesen Arbeitsbedingungen, den niedrigen Löhnen und der hohen Arbeitslosigkeit im sogenannten „armen Süden“ stört, der*die sollte sich den Kopf darüber zerbrechen, wie diese Verhältnisse zustande kommen. Diese entstehenden nämlich nicht durch „unseren“ Reichtum, sondern diese entstehen aus den gleichen Gründen warum hier oftmals Arbeitshetze, Rationalisierungsmassnahmen und Co stattfinden. Arbeit soll billig sein, denn das hilft Unternehmen sich in der Konkurrenz durchzusetzen. Staaten wiederum haben ein Interesse an einer erfolgreichen nationalen Wirtschaft.

All das zeigt: Wen also die Verhältnisse hier und dort stinken, der*die sollte nicht solidarisch sein mit „Verliererstaaten“, sondern sich gemeinsam mit anderen erklären wie es zu diesen Übeln kommt und danach die Gründe dafür loswerden. Fazit: Die Misere hat System – Kapitalismus.

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