Montag, 17. Dezember, 2012 – 19:00 – 21:30
Sub Salzburg, Müllner Hauptstraße 11b, Salzburg 5020

Der Auftakt zur EU in ihrer heutigen Form war der Gipfel von Maastricht im Dezember 1991, wo der Vertrag von Maastricht ausgehandelt wurde. Auf diesem Gipfel setzte auch das gerade wiedervereinigte Deutschland die Anerkennung des separatistischen Sloweniens und Kroatiens durch und gab damit den Startschuß für die Revision der Grenzen in Europa und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Damit setzte sich die EU – und in ihr Deutschland – als Richter darüber fest, welche Staaten sein dürfen und welche nicht. Und vor allem: wie sie verfaßt zu sein haben. Sozialistische Experimente werden nicht geduldet, ansonsten sollen sich die Regierungen von Staaten von Gnaden der USA und der EU am besten ihre Außen-, Innen- und Verteidigungspolitik in Brüssel, Berlin oder Washington vorbuchstabieren lassen. Wobei es natürlich auch nicht unwichtig ist, welcher dieser imperialistischen Hauptstädte der Vorzug gegeben wird: Das ist der enge Spielraum, innerhalb dessen sich die Politiker der Nachfolgestaaten Jugoslawiens bewegen können.

Es wird sich weisen, ob die Zerstörung und Neuordnung Jugoslawiens auch als Modell für die bröselnde EU herhalten wird.

Die Zerstörung Jugoslawiens war das Exempel und die Spielwiese für die neue Weltordnung, wie sie nach 1990 von den USA und Europa eingerichtet wurde. Was heute als „Globalisierung“ bekannt ist, Kapitalismus weltweit ohne wenn-und-aber, wurde erst möglich, nachdem das Haupt-Hindernis, die Sowjetunion, abgedankt hatte. Ganz ohne Krieg ging das aber nicht ab. Ein sich zum Sozialismus bekennender Vielvölkerstaat war ein Widerspruch, der aufgelöst werden mußte, um eine Gemeinschaft konkurrierender imperialistischer Staaten ins Leben zu rufen.

Außerdem einige Exkurse zu Reizwörtern im Zusammenhang mit Ex-Jugoslawien:

  • Srebrenica
  • Genozid
  • Kriegsverbrechen
  • Völkerrecht bzw. internationales Recht
  • Haager Tribunal

Was hat es mit all dem auf sich?

***

Struktur des Vortrags

Einleitung – Die Aktualität des Widerspruchs zwischen Nationalismus und Supranationalismus

1. Die Zerschlagung Jugoslawiens als Auftakt zur EU-Einigung. Warum hier getrennt und dort vereinigt werden mußte

2. Das System Jugoslawiens: “3. Weg”, “Blockfreiheit” und die Kardeljsche Verfassug von 1974

3. Die Kriege auf dem Balkan 1991-1999

  • Die Rolle des Blutopfers: Vukovar und Srebrenica
  • Exkurse: Kriegsverbrechen
  • Völkerrecht
  • Haager Tribunal
  • Genozid

4. Die Entwicklung der neuen Weltordnung und die Rolle der NATO: Alle Kriege werden heute um die Weltherrschaft ausgefochten. Was heißt das für die Betroffenen?

Exkurs: Die Rolle der UNO im Jugoslawienkonflikt

Nachtrag: Über die Schwierigkeit des “Nation-Building” am Balkan – nationale Symbole und Sprache als Instrumente zur Schaffung eines Staatsvolks.

Organisiert von der Basisgruppe Gesellschaftskritik

Advertisements